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Knigge

Elternvertreter werden ist nicht schwer ...

Quelle: Dr. Angelika Klasska
Kleiner Knigge für Elternvertreter und solche, die es werden wollen

Bei den meisten Wahlversammlungen, die ich gesehen habe, war es kein Kunststück, zum Elternvertreter gewählt zu werden. Je älter die Schülerinnen und Schüler werden, desto geringer ist die Bereitschaft zu kandidieren, und desto größer die "Gefahr", das Amt zu kriegen, sobald man nur mit dem Finger zuckt. Diese und andere Beobachtungen in den letzten Jahren haben mich veranlasst, meine ganz persönlichen Tipps zu verfassen.

  1. Das Recht der Elternvertreter, in der Schule mitzuwirken, haben viele Generationen vor uns vermisst! Wir sollten es nicht leichtfertig verschenken!
  2. Wenn du Lust hast zu kandidieren, sag es offen. Überlege dir aber gut, welche Einschränkungen du machen willst (Zeit, Mitstreiter, Aufgaben).
  3. Kandidiere nicht um deinem Kind einen Vorteil zu verschaffen, etwa weil du dann die Lehrer besser kennst. (Das geht beim Tennis oder ähnlichen Gelegenheiten viel unauffälliger.)
  4. Kandidiere nicht, weil es so spannend ist, die Zeugnisse aller Kinder zu sehen, bevor sie verteilt werden. (Du musst dein Wissen ohnehin für dich behalten.)
  5. Kandidiere auch, wenn du befürchtest, dein Kind könnte Nachteile haben. (Diese Angst ist in den allermeisten Fällen unbegründet.)
  6. Wenn du gewählt bist, verlasse dich nicht darauf, dass schon was passieren wird. (Das tun die anderen ebenfalls.)
  7. Bringe deine Ideen ins Spiel. Suche den Kontakt zu den anderen Elternvertretern und Eltern der Klasse und der Schule. (Die meisten sind froh, wenn sich einer traut.)
  8. Klagen von Eltern "stimmen" immer, sind aber genauso sicher einseitig gefärbt. Höre erst gut zu, frage genau nach und bewahre die Ruhe. (Manchmal reicht die Aufregung der betroffenen Eltern für zwei.)
  9. Besprich offen, was du tun wirst und lass dich nicht zu Handlungen drängen, die du nicht in aller Ruhe überlegt hast. (Das meiste Porzellan geht in Scherben, weil jemand zu hastig war.)
  10. Nimm nicht jeden Wunsch als Auftrag an. Verärgerte Eltern sollten auch den Mut entwickeln, selbst das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen. (Hilfe zur Selbsthilfe ist auch hier sinnvoll.)
  11. Sei verschwiegen, aber lass dich nicht auf Mauscheleien und Gerüchte ein.
  12. Frage den beteiligten Lehrer bzw. die beteiligte Lehrerin nach ihrer Geschichte, bevor du sie mit deinen Wünschen konfrontierst. (Auch in der Schule haben Medaillen zwei Seiten.)
  13. Vermeide Tribunale, wenn es Konflikte zwischen mehreren Eltern und einer Lehrerin bzw. einem Lehrer gibt. Gesammelte Wünsche der Lehrerin bzw. dem Lehrer im kleinen Kreis vorzutragen und Absprachen zur Abhilfe zu treffen, ist oft erfolgversprechender. (Wer humanen Umgang mit den Kindern fordert, sollte ihn Lehrerinnen und Lehrern gegenüber selbstverständlich pflegen.)
  14. Habe deine Rechte im Kopf, aber nicht ständig das Gesetz unter dem Arm. ("Mit dem Kopf durch die Wand", ist ein kurzer, aber selten erfolgreicher Weg.)
  15. Denke immer daran, dass es darum geht die Arbeitssituation für die Schülerinnen und Schüler zu verbessern. (Dafür ist es relativ gleichgültig, welches Parteibuch in deiner Tasche steckt.)
  16. Lasse dich nicht auf ein Gespräch über die Missetaten deines Kindes ein, wenn du im Auftrag der Eltern Kritik vorträgst. Lasse dir dafür einen separaten Termin geben. (Wohlüberlegte Kritik wird nicht unberechtigt, nur weil das eigene Kind keine Hausaufgaben macht.)
  17. Suche doch auch mal das Gespräch, wenn etwas Erfreuliches passiert ist. (Nicht nur Kinder wollen gelobt sein!)
  18. Benutze dein Kind nicht als bequemen Boten und nicht als Spion. (Nicht dein Kind hat ein Amt übernommen, sondern du und Spione sind selten beliebt.)
  19. Freue dich über jeden klitzekleinen Erfolg, den du hast!
  20. Fang an!